Wie alles begann

Los geht’s – ein kleiner Seelenstriptease

Crazy shit. Jetzt mache ich das wirklich.

So oder so ähnlich fühlt sich höchstwahrscheinlich jeder, der sich dazu entschieden hat auf eine längere Reise zu gehen. Zugegeben, der Weg bis hierher war sehr holprig, wie ein zu startker Wellengang gepaart mit einer fiesen Strömung, wenn man das Surfen gerade erst lernt. Dann fällt es einfach schwer, das Meer zu lesen, eine gute Welle zu identifizieren und den richtigen Moment für den Take off – das Aufstehen auf dem Board – zu bestimmen. Irgendwann, wenn die Arme vom Paddeln nicht mehr spürbar sind, die Lunge von zu vielen Salzwasser-Schleudergängen brennt und die Ausdauer patu nicht reichen will, um es noch einmal zu versuchen. Dann kriechen sie in einem hoch: Fragen, Zweifel, Müdigkeit. Wie soll ich jemals ans Ziel kommen? Was war überhaupt mein Ziel? So fühlten sich die letzten Arbeitsmonate an – anstrengend, ermüdend, von Druck und Zweifeln geprägt.

Manchmal braucht es einen Perspektivwechsel – hier am Strand in Taghazout, Marokko

Doch desto konkreter meine Pläne, Wünsche, Vorstellungen wurden, so wuchs auch mein Selbstvertrauen. Es fühlte sich an, als wenn ich es langsam, gegen die Strömung paddelnd, erstmal zum Strand geschafft hätte, einfach um mich auszuruhen, Kraft zu tanken, das Meer zu beobachten und die Situation noch einmal neu zu bewerten – aus einer anderen Perspektive heraus. Um am Ende mit neuer Energie aufzustehen, mir das Board unter den Arm zu klemmen und etwas weiter den Strand entlang zu laufen, den weichen Sand unter den Füßen spürend, bis zu einem neuen Spot, an dem sich angenehmere Surfbedingungen finden.

Pause am Strand von El Cotillo, Fuerte Ventura.

Mein letzter Arbeitstag war der Moment, in dem ich am Strand ankam, um mich erst einmal auf mein Board zu setzen und auszuruhen – und wieder ganz neue Dinge um mich herum wahrzunehmen. Mit einem Mal war da mehr von dem was wir heute nicht zu Unrecht als das wertvollste Gut bezeichnen: Zeit! In meinen ersten Wochen der “Freiheit” erledigte ich mehr Behördengänge als im gesamten vergangenen Jahr. Schaffte das, wovon viele meiner Kollegen nur schwermütig tagträumen, ging jeden Tag zum Sport. Fotografierte. Las drei Bücher in zwei Wochen. Plante, träumte, dachte nach. Ging viel an die frische Luft. Zugegeben gestalteten sich die ersten Tage nicht unbedingt einfach, die Struktur des durchgetatkteten Arbeitslebens fehlte mir ab und an. Zur Freizeitgestaltung gehört eben auch eine gute Portion Selbstdisziplin, zumindest wenn man nicht vor hat die Zeit durchzuschlafen. Und glaubt mir, irgendwann überkommt einen tatsächlich das Gefühl des Ausgeschlafenseins (lange vermisst, erkannte ich es doch sofort wieder und umarmte es wie einen lang vermissten Freund..!). In dieser Zeit entstand natürlich auch “Comme la mer”! Warum der Blog ausgerechnet einen französischen Namen trägt und welche Gedanken sich dahinter verbergen könnt ihr hier erfahren.

 

Und nun?

 

Salt in the air – sand in my hair! Ein Kribbeln kriecht meinen Nacken entlang, wenn ich in Gedanken an die bevorstehenden Monate bin. Es tänzelt auf meinen Armen, nimmt sich jedes Häärchen einzeln vor um es behutsam aufzustellen und grinst: “Hihiiiiiii! Ist das aufregend!” Im selben Moment jedoch denke ich an die endlose To Do-Liste, die wie ein dicker Stein auf meinem Schreibtisch liegt. Schwer und sich seiner Macht durchaus bewusst, aber nicht bereit sich einen Gramm leichter zu machen. Das Gefühl dass dieser Stein auslöst fühlt sich wie ein Klumpen an, der regelmäßig in Bauch und Brust wandert um zu verhindern, dass auch bloß nicht zu viel Glitzer auf dem Boden der Tatsachen landet.

 

Und am Ende? Überwiegt natürlich das Glitzer, und so breitet sich just in diesem Moment ein fettes, selbstbewusstes Grinsen in meinem Gesicht aus, mit dem ich mich unfassbar auf den “neu entdeckten Strand” freue. Ich bin gespannt und hoffe, dass die Wellen hier besser für mich gemacht sind.

Deichbrand Festival 2016, Cuxhaven, Nordsee.

Schön, dass ihr mich hier begleitet, durch meine Reise und das Leben, wie das Meer.

Alles Liebe

Eure Tina

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